Schauen wir einmal genauer hin

Hering zählt zu den vier meistgegessenen Fischarten in Deutschland. Er gilt als besonders gesunder, Omega-3-reicher Speisefisch mit niedrigem CO₂-Fußabdruck und einer bald tausendjährigen Tradition als regionales Lebensmittel. Klingt erstmal gut, doch nur jedes zweite Heringsprodukt im deutschen Einzelhandel stammt nachweislich aus einer nachhaltigen Fischerei und einem nicht überfischten Bestand.

Der Grund liegt meist im Fanggebiet: Der Großteil des Herings, den wir in Deutschland kaufen, kommt aus dem Nordostatlantik (atlanto-skandischer Hering). Dem atlanto-skandischen Heringsbestand geht es seit Jahren nicht gut. Er wird massiv überfischt, weil sich die Fangnationen nicht auf angemessene Fangquoten einigen können.

Die Nordsee ist der bessere Ursprung

Wir bei blattfrisch setzen aktuell ausschließlich auf Hering aus der Nordsee und das hat gute Gründe. Die Heringsbestände der Nordsee befinden sich auf einem stabilen Niveau dank wissenschaftlicher Überwachung. Die Fangquoten für 2026 wurden auf 328.566 t gesenkt, bewusst und datenbasiert. Die Befischung geht laut MSC-Angaben mit sehr wenig Beifang und einem besonders niedrigen CO₂-Fußabdruck einher.

Ein fahrender Fischkutter, die Netze halb im Wasser, dem ein großer Schwarm Möwen hinterherfliegt

Die Nordseeheringsfischerei konnte entsprechend bereits zum dritten Mal MSC-zertifiziert werden. Die Zertifizierung bestätigt den gesunden Zustand des Nordseeheringsbestands, die moderaten Auswirkungen der Flotte auf das Ökosystem und das insgesamt gute Managementsystem.

Ein besonders wichtiges Detail: Die Verwendung von pelagischen Scherbrettnetzen sorgt dafür, dass der Meeresboden nicht beeinträchtigt wird und Grundfischarten wie Kabeljau, Schellfisch und Wittling ungestört bleiben. EU-Beobachter bestätigen, dass es keinen Beifang von Meeressäugern wie Walen und Delfinen gibt.

Kurzer Exkurs: Schleppnetze

Wer „Schleppnetz“ hört, denk fast automatisch an zerstörte Meeresböden und Lebensräume. Doch Schleppnetz ist nicht gleich Schleppnetz.

Ein Knäul Netze in Nachaufnahme

1. Grundschleppnetze

Grundschleppnetze ist die Art von Schleppnetzen, die den Meeresboden zerstören können. Die Netze werden teilweise direkt über den Meeresboden gezogen und beeinflussen damit unter Umständen Lebensräume massiv. Auch der unerwünschte Beifang kann bei dieser Fangmethode hoch ausfallen.

Dennoch kann mit dieser Art Netz auch sorgsam umgegangen werden und es gibt Möglichkeiten, durch die Maschendichte Beifang zu vermeiden. Nichtsdestotrotz sind diese Netze eher als kritisch zu betrachten.

Will man vermeiden diese Art Fischerei durch den eigenen Konsum zu unterstützen, muss auf die Fischart geschaut werden. Grundschleppnetze werden zum Fang folgender Fischarten eingesetzt: Grundfische (z.B. Plattfische, dorschartige Fische), Garnelen und semi-demersale Arten, die über dem Boden leben (z.B. Seelachs).

2. Pelagische Scherbrettnetze

„Pelagisch“ heißt, dass die Fische, die mit dieser Methode gefangen werden, in der Wassersäule schwimmen, also nicht am Boden leben: z.B. Sardine, Sardelle, Hering, Makrele, Lodde, Rotbarsch.

Pelagische Scherbrettnetze werden zwar ebenfalls als Schleppnetz hinter dem Schiff hergezogen, halten aber einen bedeutenden Abstand zum Boden. Sie haben KEINEN Einfluss auf den Meeresboden. Zudem kann mit dieser Methode gezielt eine Art gefischt werden, so dass auch der Beifang sehr niedrig gehalten werden kann.

Wer also unsere Produkte verzehrt, muss sich um die Fangmethode keine Gedanken machen.

Zum Trocknen aufgehängte Fischernetze
Eine Möwe fliegt knapp über der Wasseroberfläche mit einem Fisch im Schnabel

Gut für den Körper

Wer regelmäßig Hering isst, tut nicht nur den Meeren, sondern auch sich und seinem Körper etwas Gutes. 100 Gramm Hering enthalten rund 3.000 Milligramm der langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Damit übertrifft der Hering sogar den Lachs und macht ihn zu einer der wertvollsten und dabei günstigsten Quellen für diese essenziellen Fettsäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann.

Omega-3-Fettsäuren wirken auf mehreren Ebenen: Wer regelmäßig fettreichen Fisch isst, kann sein Risiko für einen tödlichen Herzinfarkt, einen ischämischen Schlaganfall und Fettstoffwechselstörungen reduzieren. Dazu kommen weitere Nährstoffe, die oft übersehen werden. Fettreiche Kaltwasserfische wie Hering sind reich an Vitamin D, Jod und Selen. Diese sind wichtig für den Stoffwechsel, die Schilddrüsenfunktion und die antioxidative Abwehr. Außerdem liefert Hering hochwertiges Eiweiß sowie Vitamin B12, das für Blutbildung und Nervensystem unverzichtbar ist.

Nachaufnahme eines Fischschwarms

Ein häufig vorgebrachtes Bedenken beim Thema Fischverzehr ist die Schadstoffbelastung. Mit Recht muss hier kritisch hingeschaut werden. Bestimmte große Raubfische wie Thunfisch, Heilbutt, Schwertfisch und Aal können hohe Mengen des giftigen Schwermetalls Quecksilber enthalten. Beim Hering sieht die Lage jedoch deutlich besser aus. Als schnellwüchsiger und vergleichsweise kleiner Fisch mit einer niedrigen Stellung in der Nahrungskette nimmt er weniger Schadstoffe auf und ist selten von Schwermetallen wie Quecksilber belastet.

Dennoch gilt, wie bei allen Lebensmitteln: Maß und Vielfalt auf dem Teller sind die beste Grundlage. Die Empfehlung der (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE): ein- bis zweimal pro Woche Fisch essen und Hering ist dabei eine sehr gute Wahl.

Fazit

Wer zu unseren Heringssalaten greift, trifft eine der besten Entscheidungen, die man als Fischliebhaber treffen kann:
pelagisch gefangen (kein Bodenschaden, kaum Beifang), niedriger CO₂-Fußabdruck und praktisch keine Quecksilberbelastung, reich an Omega-3.
Genau deshalb verarbeiten wir bei blattfrisch ausschließlich zertifizierten Nordseehering zu unserem Heringssalat, weil guter Geschmack und Verantwortung kein Widerspruch sind.